Promotionsprojekte
2005 - 2007 im Rahmen der DSF am Institut für Friedensforschung
und Sicherheitspolitik (IFSH)
an der Universität Hamburg:
1.Jens Narten
Thema: Menschenrechte und die nachhaltige Zivilisierung von Konflikten.
Eine systemanalytische Untersuchung internationaler Friedensbemühungen
am Beispiel der UN-, OSZE- und EU-Missionen im Kosovo
Das Promotionsprojekt geht der Frage nach der praktischen Beziehung zwischen
der Menschenrechtsarbeit internationaler Organisationen und ihren friedensschaffenden
Anstrengungen im Kosovo nach. Erkenntnisleitend für die Untersuchung ist
die Frage der Nachhaltigkeit der Ansätze zur Zivilisierung von Gewaltkonflikten.
Das Projekt konzentriert sich auf die Herausarbeitung konstitutiver Elemente
erfolgreicher/erfolgloser Friedensbemühungen internationaler Organisationen.
Dazu wird auf systemanalytische Verfahren zurückgegriffen, die sowohl
lokale Akteure als auch internationale Organisationen als selbstreferente,
geschlossene soziale Systeme begreifen, die ihrerseits auf selektiven Beobachtungsverfahren
gegenüber ihrer gesellschaftlichen Umwelt sowie auf vorcodierten, internen
Kommunikationszusammenhängen basieren.
Anhand dieses Analysemodells wird der friedenspraktische Zusammenhang zwischen
internationaler Menschenrechtsarbeit und nachhaltigen Zivilisierungsbemühungen
als konkreter Forschungsgegenstand beleuchtet, um handlungsorientierte Aussagen
für eine verbesserte Friedensarbeit internationaler Organisationen durch
kritische Selbstreflexion treffen zu können. Ausgehend von dieser Zielsetzung
soll das Forschungsprojekt versuchen, Antworten auf folgende Fragestellungen
zu finden:
- Wie sind Menschenrechte und Formen nachhaltiger Zivilisierung als Friedenskonzepte
miteinander verbunden und welche Schwierigkeiten ergeben sich bei ihrer Umsetzung
für internationale Organisationen und ihre Friedensmissionen?
- Welche Strukturen zivilgesellschaftlicher Komplexität weist ein Konfliktsystem
auf, in dem Menschenrechts- und Zivilisierungsarbeit erfolgen soll und welche
systembildenden Prozesse dominieren dabei? Wie beeinflussen diese Prozesse
ihrerseits die Arbeit der internationalen Organisationen?
Diese Fragen sollen anhand von sechs Handlungsfeldern der UN, OSZE und EU im
Kosovo erarbeitet werden: Verfassung, Rechtslage, Wahlen, Stabilisierungsprozess,
Politikstandards, Menschenrechtstoleranz.
Die Arbeitsergebnisse und Antworten auf diesen Fragenkatalog können erkenntnis-
und handlungsleitend internationale Friedensbemühungen unterstützen
helfen, die in einer konfligierenden Gesellschaft nicht von oben herab implementiert
werden, sondern mit dieser und aus dieser heraus entwickelt werden sollen.
Nur dadurch wird es internationalen Organisationen gelingen, Konfliktgesellschaften
in ihrem eigenen Zivilisierungsprozess nachhaltig zu unterstützen.
Herr Narten hat im März 1999 an der Universität Hannover als Diplom-Sozialwissenschaftler
mit „sehr gut“ abgeschlossen und zusätzlich im Juli 2000 an
der Ruhr-Universität Bochum den Grad eines „Master in Humanitarian
Assistance“ (sehr gut) erworben. Von 2002 bis 2004 war er Mitglied der
OSZE-Mission im Kosovo, u.a. als Koordinator für das Menschenrechtstraining.
2. Jan Stupl
Dissertation erschienen:
Stupl, Jan: Untersuchung der Wechselwirkung von Laserstrahlen mit Strukturelementen von Raumflugkörpern. München: Dr. Hut 2008.
Thema: Untersuchung der Wechselwirkung von Laserstrahlung mit Strukturelementen
von Raumfahrtkörpern
Diese Arbeit wird sich schwerpunktmäßig mit Hochenergie-Lasern (HEL)
beschäftigen, die derzeit in den USA entwickelt werden. Dort ist zum Beispiel
geplant, mit flugzeuggestützten bzw. im Weltraum stationierten HEL Mittelstreckenraketen
in der Beschleunigungsphase abschießen. Sollten diese Konzepte funktionsfähig
zur Ausführung geraten, hätte dies erhebliche sicherheitspolitische
Auswirkungen. Als Teil eines dann funktionsfähigen Raketenabwehrprogramms
würde es die Vormachstellung der USA weiter stärken. Zusätzlich
wäre aber auch eine Anwendung der Waffensysteme gegen Satelliten denkbar.
Stände die Technologie nur den USA zur Verfügung, könnte dies
zu einer Monopolstellung im Bezug auf Satellitenaufklärung, -navigation
und -kommunikation führen. Die sicherheitspolitische und rüstungskontrollpolitische
Relevanz des Promotionsvorhabens resultiert somit aus der Gefahr der Auslösung
neuer Rüstungswettläufe durch die Einführung von Raketenabwehrsystemen
und Antisatellitenwaffen.
Das Konzept des flugzeuggestützten „Airborne Laser“ (ABL)
ist schon sehr weit fortgeschritten, es wird bereits an der Herstellung eines
Prototypen gearbeitet. Die Grundidee ist, den Laser in einem Flugzeug zu installieren,
um Reichweite und Mobilität zu erhöhen. Als Entfernung zum Ziel werden
mehrere hundert Kilometer angegeben. Dadurch sinkt die Intensität der
Laserstrahlung ab und mit einer Zerstörung des Gefechtskopf von Raketen
wird nicht gerechnet. Es wird nur der Antrieb der Rakete ausgeschaltet. Der
Gefechtskopf geht, je nachdem wie schnell der Abschuss erfolgt, an einem Punkt
zwischen Startpunkt und berechnetem Ziel nieder. Die Situation ist also extrem
zeitkritisch. Da über den im Weltraum stationierten „Space Based
Laser“ (SBL) zur Zeit noch wenig konkrete Informationen vorliegen, wird
sich dieses Projekt zunächst primär mit dem ABL beschäftigen.
Es besteht die Hoffnung, mit den gewonnenen Ergebnissen allgemeine Aussagungen über
HEL und Möglichkeiten ihrer Beschränkung durch Maßnahmen der
Rüstungskontrolle zu gewinnen.
In der offenen Literatur liegen derzeit zwei Studien der American Physical
Society (APS) und ein Artikel im IEEE Spectrum vor, die sich mit dem ABL beschäftigen.
Als Ergebnis der aktuelleren Studie der APS ergibt sich eine potentielle Anwendbarkeit
des ABL für Flüssigkeitsraketen. Die Gefährdung von Satelliten
wurde bisher nicht untersucht. In dem Dissertationsvorhaben gilt es zunächst
die Frage nach der militärtechnischen Durchführbarkeit des Rüstungsprojektes
zu beantworten, insbesondere herauszufinden, nach welcher Bestrahlungsdauer
bei verschiedenen Intensitäten ein Materialversagen eintritt. Dazu werden
sowohl skalierte Experimente als auch Computermodelle eingesetzt. Danach soll
die Auswirkung auf das Gesamtsystem Rakete bzw. Satellit abgeschätzt werden,
d.h. wann und ob die Rakete antriebslos bzw. ob der Satellit funktionsuntüchtig
wird. Schließlich werden die in der Einleitung angedeuteten sicherheitspolitischen
Implikationen der Ergebnisse analysiert.
Es wurden Kooperationen mit verschieden Partnern vereinbart. Der Fachbereich
Lasertechnik der TU Hamburg-Harburg unter Prof. Emmelmann stellt einen Laser
mit 4kW Ausgangsleistung für die Experimente zur Verfügung. Dort
gibt es auch Expertise im Bereich der Modellierung. Weiterhin bestehen Kontakte
zum Institut für Laserphysik der Uni Hamburg, zur TU München (Prof.
Schmucker, Raketentechnik) und zum MIT (G. Forden, ABL).
Herr Stupl hat im November 2004 an der Friedrich-Schiller-Universität
Jena mit der Note „sehr gut“ als Diplomphysiker abgeschlossen.
3. Isabelle Tannous
Thema: Konfliktprävention als Querschnittsanliegen im europäischen
Mehrebenensystem
Konfliktprävention und Krisenmanagement bilden heute in Existenzberechtigung
und Zielsetzung den Kern europäischer Außen- und Sicherheitspolitik.
In Theorie und Praxis ist allgemein anerkannt, dass ein integriertes Sicherheitskonzept
die Voraussetzung für erfolgreiche Konfliktprävention ist.
Auf europäischer Ebene steht dafür ein umfassendes Instrumentarium
zur Verfügung. Dieses reicht von Humanitärer Hilfe über Wirtschaftsabkommen
bis hin zum diplomatischen und politischen Instrumentarium der Gemeinsamen
Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und den neuen zivilen und militärischen
Möglichkeiten der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
(ESVP). Für einen integrierten Einsatz bedarf es der konzeptionellen und
institutionellen Verknüpfung verschiedener, weitgehend unverknüpfter
Politikbereiche und der Kooperation zahlreicher, dezentral organisierter Akteure.
Entsprechend gehört die Forderung nach „Kohärenz“ nicht
nur zum politischen Repertoire, sondern auch zum analytischen Handwerkszeug.
Mindestens so häufig schließt sich diesem vielstimmigen Ruf die
Kritik an, dass Europa nur selten in der Lage sei, auf Krisen konsistent (sich
nicht widersprechend), komplementär (arbeitsteilig, aufeinander abgestimmt)
und kohärent (einen Mehrwert durch Synergien erzeugend) zu reagieren.
Anhand von zyklischen Analysemodellen aus der Konfliktforschung soll dieser
Befund differenziert und systematisch geprüft werden. Erarbeitet wird
ein Bedingungskatalog für gemeinsames Handeln, der mittels der folgenden
Leitfrage herausgearbeitet wird: Unter welchen Voraussetzungen findet auf europäischer
Ebene (vornehmlich zwischen Rat und Kommission) integriertes außen- und
sicherheitspolitisches Handeln statt?
Um diese Forschungsfrage zu beantworten, evaluiert das vorliegende Projekt
das Querschnittsanliegen im europäischen Mehrebenensystem durch eine systematische
Prozessanalyse. Im Zentrum der Analyse steht dabei die Entscheidungsfindung
in den fragmentierten Kompetenz- und Verfahrensstrukturen, in denen innereuropäische
und politikfeldbezogene Interessengegensätze ausbalanciert werden.
Im Rückgriff auf das konstruktivistische Wissen um die Verwobenheit von
Struktur und Akteur gewinnen Sprache, Regeln und Praktiken zunehmend auch an
Einfluss in der europäischen Außenpolitikforschung. Daran anknüpfend
soll ein Perspektivwechsel vollzogen werden, der es erlaubt, Konfliktprävention
und Krisenmanagement als eines der Ziele außenwirksamen Handelns in der
Wechselwirkung mit anderen internationalen Aufgaben der Europäischen Union
zu analysieren. Ein solches Vorgehen ermöglicht darüber hinaus die
Identifizierung verschiedener politischer Koalitionen, die über die horizontalen
und vertikalen Ebenen hinaus bestehen und aufgrund von unterschiedlichen materiellen
Interessen und weltpolischen Rollenverständnisse von Europa konkurrieren.
Somit leistet dieses Projekt einen Beitrag zur Konzeptionalisierung der Europäischen
Union als globalem Akteur, der weit über die mitgliedstaatlichen Positionsbestimmungen
bestehender rationalistischer Ansätze hinausgeht.
Frau Tannous hat das Studium der Politischen Wissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität
München im Januar 2003 als Magistra Artium mit „sehr gut“ abgeschlossen.
4. Merle Vetterlein
Dissertation erschienen:
Vetterlein, Merle: Konfliktregulierung durch power-sharing-Modelle: das Fallbeispiel der Republik Makedonien. Baden-Baden: Nomos 2010 (Demokratie, Sicherheit, Frieden Band 196).
Thema: Makedonien: Eine Analyse der Interdependenz sozio-ökonomischer,
politischer, interethnischer und demographischer Konfliktursachen
Das politikwissenschaftliche Promotionsprojekt untersucht den krisenhaften
Verlauf des makedonischen Transformationsprozesses. Das Projekt will zu einer
Vertiefung des Verständnisses der Interdependenz der unterschiedlichen
Faktoren beitragen, die für diese Krise verantwortlich sind und 2001 zu
einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen der makedonischen Titularnation
und Kämpfern der albanischen UČK geführt haben. Diese Zusammenstöße
haben gezeigt, dass der Transformationsprozess in Makedonien noch lange nicht
abgeschlossen ist und sich weiterhin in einem instabilen Zustand befindet.
Für eine erfolgreiche demokratische Konsolidierung und eine nachhaltige
ethnische Befriedung Makedoniens bleibt eine langfristige Stabilisierung der
Wirtschaft die Hauptaufgabe. So betrug die Arbeitslosenquote zu Beginn des
Jahres der gewaltsamen Auseinandersetzungen 2001 über 30 Prozent. Nur
wenige Wissenschaftler haben für Makedonien einen expliziten Zusammenhang
zwischen wirtschaftlichen Misserfolgen und dem Ausbruch von Gewalt hergestellt.
Drei Jahre nach den gewaltsamen Zusammenstößen kann zwar wieder
ein Wirtschaftswachstum verzeichnet werden, das allerdings nur einer relativ
kleinen Schicht von „Reichen“ zugute kommt, während die Masse
der „Armen“ zunimmt. Der Kampf um schrumpfende ökonomischen
Ressourcen wird zunehmend entlang ethnopolitischer Konfliktlinien geführt.
Ziel des Projektes ist es, die monokausal ethnische Erklärung der makedonischen
Konfliktkonstellation zu überwinden und die Interdependenz sozio-ökonomischer,
politischer, demographischer und ethnischer Konfliktursachen zu analysieren.
Ein derart breiter Erklärungsansatz zur Untersuchung der makedonischen
Transformationskrise wurde bisher in der Politikwissenschaft nicht geleistet.
Dies ist um so bemerkenswerter, als die Stabilisierung Makedoniens für
diejenige der gesamten Region und insbesondere des Kosovo von überragender
Bedeutung ist.
Die Ausgangsthese der Arbeit lautet, dass die Krise in Makedonien nicht allein
durch interethnische Faktoren erklärt werden kann, sondern die defizitären
Entwicklungen während des Transformationsprozesses auf der wirtschaftlichen,
sozialen und staatlichen Ebene wesentlich zu einer Verschlechterung des interethnischen
Zusammenlebens beigetragen haben. In der Untersuchung soll konkret herausgearbeitet
werden, welche Entwicklungen seit der Erlangung der Unabhängigkeit 1991
abgelaufen sind und welche Erfolge und Misserfolge im Demokratisierungs- und
Konsolidierungsprozess zu verzeichnen sind. Zweitens geht es darum, den Zusammenhang
zwischen der wirtschaftlichen Situation und der Entwicklung der ethnopolitischen
Konfliktkonstellation herzustellen. Drittens wird untersucht, welche Lösungskonzepte
die makedonische Regierung hinsichtlich dieser Problemfelder verfolgt. Viertens
sollen die unterschiedlichen Unterstützungsansätze der internationalen
Organisationen, insbesondere der EU, analysiert und bewertet werden.
Frau Vetterlein hat im Mai 2003 das Studium der Politikwissenschaften als Diplom-Politologin
mit „sehr gut“ abgeschlossen. Sie spricht Mazedonisch und hat mehrere
Studienaufenthalte in Mazedonien verbracht.
Promotionsprojekte 2002 - 2004 im Rahmen
der DSF am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik
(IFSH)
an der Universität Hamburg:
1. Heiko Fürst
Thema: Konflikt zwischen Deutschland und den Beitrittskandidaten über die künftige Ausgestaltung der Europäischen Union.
Dissertation erschienen:
Fürst, Heiko: Europäische Außenpolitik zwischen Nation und Union. Die Konstruktion des polnischen, rumänischen und ungarischen Diskurse zur GASP. Baden-Baden: NOMOS 2008 (Demokratie, Sicherheit, Frieden Band 185).
2. Regina Heller
Thema: Tracing Causal Mechanismus to the Level of Civic Culture in the Russian Federation. An Assessment of Russian Attitudes towards International Human Rights Standards.
Dissertation erschienen:
Heller, Regina: Normensozialisation in Russland. Chancen und Grenzen europäischer Menschenrechtspolitik gegenüber der Russländischen Föderation
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008.
3. Bernhard-Wilhelm Rinke
Thema: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und das “Friedensprojekt” Europa.
Dissertation erschienen:
Rinke, Bernhard: Die beiden großen deutschen Volksparteien und
das "Friedensprojekt Europa": Weltmacht, Zivilmacht, Friedensmacht?
Baden-Baden: Nomos 2006.
4. Katrin Simhandl
Thema: Die Politik internationaler Organisationen in der Frage der Roma als „trans-nationale“ Minderheit im EU-Erweiterungsraum.
Dissertation erschienen:
Simhandl, Katrin: Der Diskurs der EU-Institutionen über die Kategorien "Zigeuner" und "Roma". Die Erschließung eines politischen Raumes über die Konzepte von "Antidiskriminierung" und "sozialem Einschluss"
Baden-Baden: Nomos 2007.

