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Masterstudiengang Friedens- und Konfliktforschung (Peace and Conflict Studies) an der Philipps-Universität Marburg

Kurze Charakterisierung des Studiengangs
Ziel des forschungsorientierten Masterstudiengangs ist es, analytische und praktische Qualifikationen im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zu vermitteln, d.h. Fähigkeiten, Konflikte nach ihrem Gegenstand, ihrem Verlauf, ihren Ursachen und Akteuren analysieren und Perspektiven der Befriedung, Regelung oder Lösung von Konflikten entwickeln zu können. Daneben liegt ein besonderer Schwerpunkt in der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, die für die spätere Berufspraxis – nicht nur im engeren Bereich der Friedens- und Konfliktforschung – von großer Bedeutung sind.
Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs stehen politische Konflikte, die einen globalen Bezug aufweisen. Gegenüber der klassischen Perspektive vor allem der deutschen Friedens- und Konfliktforschung und der Internationalen Beziehungen, die sich lange Zeit auf zwischenstaatliche Konflikte konzentrierten, stellt dies eine notwendige Reaktion auf den globalen politischen und gesellschaftlichen Wandel dar. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Vielzahl von Konflikten nicht mehr primär innerhalb eines Nationalstaates und zwischen souveränen Nationalstaaten ausgetragen werden. Vielmehr zeigen Phänomene wie die „neuen Kriege“, humanitäre Interventionen, wie Gewaltmärkte und interethnische Konflikte, aber auch die Etablierung transnationaler Institutionen der Konfliktregelung und die Entwicklung globaler normativer Standards eine Veränderung der traditionellen, oftmals an nationalstaatlichen Grenzen entlang verlaufenen Konfliktlinien. Dieser Wandel macht eine stärkere interdisziplinäre Ausrichtung der Friedens- und Konfliktforschung unumgänglich. Bei der Entstehung und Entwicklung von Konflikten spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Im Masterstudiengang wird deshalb systematisch zwischen politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Ursachen und Folgen von Konflikten unterschieden.
Der Studiengang ist folglich interdisziplinär angelegt und beruht auf einer Didaktik des dialogischen und problemorientierten Lernens. Im Vordergrund stehen damit Methoden wie Rollen- und Planspiele, Kleingruppenarbeiten, Workshops, Inszenierungen u.ä. Daneben umfasst der Studiengang ein obligatorisches internationales Praktikum und englischsprachige Veranstaltungen. Teile des Studiums können auch im Ausland absolviert werden.

Rede zur Eröffnung

Abschluss und Studiendauer
Der Studiengang schließt mit einem Master of Arts in Friedens- und Konfliktforschung (Peace and Conflict Studies) ab. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Der Studiengang ist bereits akkreditiert.

Ziele, Aufbau, Inhalte, Schwerpunkte des Studiums
Das Studienprogramm umfasst die folgenden sechs Module:

I          Einführungen in die Friedens- und Konfliktforschung
II          Konfliktanalysen und Konfliktregelung
III          Internationales Praktikum
IV          Interdisziplinäre Forschungsseminare
V        Inter- und multidisziplinäre Rahmenvorlesungen
VI          Masterarbeit und Abschlussprüfung

Das Modul I beinhaltet die Einführungsveranstaltungen in das Fach. Neben einer Einführungsvorlesung werden eine Übung und darüber hinaus Seminare zu sozialwissenschaftlichen Konflikttheorien und zu Formen der Konfliktregelung angeboten. Hier sollen die grundlegenden fachgeschichtlichen, begrifflichen und theoretischen Kenntnisse erworben werden.
Darauf aufbauend stehen im Modul II Konfliktanalysen im Mittelpunkt, die jeweils einen Schwerpunkt auf politische, kulturelle, ökonomische und ökologische Faktoren globaler politischer Konflikte legen. Ebenfalls Bestandteil ist eine transdisziplinäre Übung zur Konfliktreglung und Mediation. Die grundlegenden Kenntnisse des ersten Moduls werden in Modul II an ausgewählten Konflikten vertieft, die Kompetenzen im Bereich der Konfliktregelung durch eine praktische Übung erweitert.
Im Modul III absolvieren die Studierenden ein ca. zehnwöchiges internationales Praktikum im Bereich der Konfliktregelung, das vom Zentrum begleitet und mit den Studierenden vor- und nachbereitet wird.
Das Modul IV überführt die analytischen Fähigkeiten und praktischen Erfahrungen aus den Seminaren, Übungen und dem Praktikum in interdisziplinäre Forschungszusammenhänge. Es besteht aus interdisziplinären Forschungsseminaren zu politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Faktoren politischer Konflikte. Das Modul V rahmt die ersten vier Module durch Grundlagenvorlesungen zum Völkerrecht, zu den Internationalen Beziehungen und – in englischer Sprache – zu sozialpsychologischen Konzepten der Konfliktforschung und Konfliktlösung. Hier werden Grundlagen aus Kernbereichen der Friedens- und Konfliktforschung vermittelt, die für die Analyse politischer Konflikte in der Weltgesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Außerdem werden in der Interdisziplinären Ringvorlesung gegenwärtige und zukünftige globale Konfliktszenarien diskutiert.
Im Modul VI wird im Anschluss an eines der beiden Forschungsseminare die 40-60seitige Masterarbeit verfasst und eine einstündige Abschlussprüfung abgelegt.
Die inhaltlichen und thematischen Schwerpunkte der einzelnen Module werden studienbegleitend geprüft und gehen größtenteils in die Masternote anteilsmäßig ein.

Eingangsvoraussetzungen und Bewerbung
Der Studiengang ist seit März 2004 akkreditiert und zulassungsbeschränkt. Voraussetzung für die Zulassung im Master-Studiengang ist ein Bachelor-Abschluss oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit ausreichenden sozialwissenschaftlichen Methodenkenntnissen und Englischkenntnissen. Die Zulassung kann mit der Auflage verbunden werden, Veranstaltungen aus dem Bereich der empirischen Sozialforschung zu belegen.
Über den Ablauf und die Bedingungen der Bewerbung informieren die homepage der Universität http://www.uni-marburg.de/konfliktforschung/studium/master/zulassung und des Zentrums für Konfliktforschung. Dort finden Sie auch ausführlichere Informationen zum Studiengang. Weitere Auskünfte erteilt Dr. Thorsten Bonacker, Tel. 06421/ 2824574, thorsten.bonacker@staff.uni-marburg.de.
Die Bewerbungsfrist endet am 15.Juli.

Das Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg
Mit dem Masterstudiengang erweitert die Philipps-Universität Marburg ihr Ausbildungsangebot in der Friedens- und Konfliktforschung. Seit 1996 gibt es einen sehr erfolgreichen Magister- und Diplomnebenfachstudiengang mit zuletzt 300 Studierenden pro Semester. Die große Nachfrage durch Studierende und die Einsicht in die Notwendigkeit einer Professionalisierung der Ausbildung der Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik haben uns dazu bewogen, mit dem Wintersemester 2004/05 einen Masterstudiengang anzubieten.
Das Studienprogramm wird vom interdisziplinären Zentrum für Konfliktforschung entwickelt und durchgeführt. Das Zentrum wurde 2001 gegründet. In ihm arbeiten zur Zeit 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 14 Fachbereichen. Forschungsschwerpunkte sind derzeit die interdisziplinäre Theorieentwicklung in der Friedens- und Konfliktforschung, innere und äußere Sicherheit, Gewalt- und Extremismusforschung, ökologische Ursachen und Folgen von Konflikten, Normenkonflikte in der Reproduktionsmedizin und Methoden der Konfliktregelung.

Das Zentrum ist unter folgender Adresse zu erreichen:

Geschäftsführender Direktor


Prof. Dr. Mathias Bös
Institut für Soziologie
Ketzerbach 11
35032 Marburg

Telefon: +49 64 21 / 28 24 580
e-mail: mathias.boes@staff.uni-marburg.de