Strategie, Anarchie oder fehlendes internationales Engagement? Zur Logik von einseitiger Gewalt in Bürgerkriegen

Forschungsprojekt von Dr. Margit Bussmann und Prof. Dr. Gerald Schneider, Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz

Publikationen

Gerald Schneider, Lilli Banholzer, Roos Haer: Cain`s Choice: Causes of one-sided violence against civilians. To be published in: “Causes of War: An Introduction to Theories behind Warfare and Collective Violence”, Tor Georg Jakobsen Ed. 2010. New York: Nova Science Publishers)

Gerald Schneider, Nils Petter Gleditsch, Sabine Carey: Exploring the Past, Anticipating the FUture: A Symposium. In: International Studies Review 2010 Volume 12/1, pp 1-7.

Projektzusammenfassung

Die Forschung zu den Ursachen und Konsequenzen von Bürgerkriegen ist sich noch uneinig, ob einseitige Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung oder Gefangenen eine Konsequenz der strategischen Situation, der losen Führung der beteiligten Streitkräfte oder aber der fehlenden Sanktionierung durch die internationale Staatengemeinschaft ist. Die zur ersten „Logik“ gehörende Arbeitshypothese ist dabei an den klassischen Theorien der Eskalation orientiert; sie postuliert, dass Bürgerkriegsparteien einseitige Gewalt verüben, um strategische Vorteile im militärischen Ringen zu erzielen. Der zweite, damit konkurrierende Erklärungsstrang lenkt den Blick auf die Organisation der Streitkräfte und rechnet mit einseitiger Gewalt für den Fall, dass Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung intern nicht geahndet werden. Der dritte Erklärungsansatz verweist auf den direkten und indirekten Einfluss der internationalen Staatengemeinschaft, die in Bürgerkriegen in höchst unterschiedlichem Ausmaß durch NGOs oder Interventionsstreitkräfte vertreten ist. Unser analytischer Fokus liegt dabei auf den Aktivitäten des IKRK.
Dieses Projekt erforscht das Auftreten von Massakern und anderen Formen der willkürlichen, einseitigen Gewaltanwendung in Bürgerkriegen seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Dazu sammeln wir in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Partnern systematisch Informationen zum Verlauf von etwa 20 Bürgerkriegen und erkunden die drei widerstreitenden Logiken der einseitigen Gewalt anhand dieser Längsschnittinformationen vergleichend mit Hilfe von neueren wie auch etablierten quantitativen und qualitativen Verfahren der empirischen Sozialwissenschaften.


Strategy, Anarchy or Lack of International Commitment? On the Logic of One-Sided Violence in Civil Wars

Abstract

Civil war scholars are still divided on what explains the occurrence of one-sided violence acts targeted at unarmed civilians. The literature often mentions three rival explanations. The first emphasize the strategic situation in which these kinds of acts take place. According to this logic, battle forces will perpetrate one-sided violence acts when they expect to gain strategic military advantages from it. The second rival explanation is focused on the organisational structure of the battle forces. It is argued that one-sided violence is the result of a lack of sanctioning mechanisms within the rebel or governmental organizations. The last explanation looks at the direct and indirect influence of the international community who is present during civil wars in the form of NGOs or international intervening forces.
With the help of several international partners, like the International Red Cross, these three possible explanations will be examined by systematically collecting information from World War II onwards, on acts of one-sided violence during civil wars. This information will be subjected to new quantitative and qualitative methods in order to test the rival explanations.