Fachsymposium von DSF und FONAS zur naturwissenschaftlichen Friedensforschung in Deutschland


In seinem einführenden Beitrag wies der Vorsitzende des Vorstands der DSF, Prof. Dr. Ulrich Schneckener, auf die prekäre Situation der natur- und technikwissenschaftlich ausgerichteten Friedensforschung in Deutschland hin. Mit ihrer unabhängigen Expertise leiste sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Politikberatung, was sich auch in einer großen Nachfrage aus dem politischen Raum und aus den Medien niederschlage. Die Stiftung habe das Forschungsfeld durch Projektförderungen, insbesondere aber durch die Anschubfinanzierung für die Carl Friedrich von Weizsäcker-Stiftungsprofessur an der Universität Hamburg, unterstützt. Sie werde dies auch künftig tun, das drohende Wegbrechen der Forschungskapazitäten könne sie jedoch mit ihren finanziellen Möglichkeiten nicht verhindern. Hier sei eine forschungspolitische Initiative erforderlich, nicht zuletzt auch im Hinblick auf den hohen Beratungsbedarf. Der Sprecher von FONAS, Dr. Jürgen Altmann, TU Dortmund, erläuterte in seinem Beitrag anhand von Zahlen und Beispielen die schwierige Lage des Forschungsfeldes.

Neuneck neuIn fünf kurzen Beiträgen wurden zentrale Forschungsfelder der naturwissenschaftlichen Friedensforschung vorgestellt. Prof. Dr. Götz Neuneck, IFSH, skizzierte in seinem Vortrag die aktuellen technologischen Herausforderung im Themenfeld „Nukleare Abrüstung und strategische Stabilität“. Er verdeutlichte die hohe Relevanz einschlägiger Forschungsfragen, die von den Folgen der Modernisierung strategischer Arsenale über Fragen der multipolaren Abschreckung sowie der Entwicklung neuer Waffensysteme und ihrer Proliferation bis hin zu Verifikationsaufgaben reichten.

Alwardt neu

 

 

Niemeyer neuMit ihren Beiträgen vertieften Dr. Matthias Englert (Öko-Institut Darmstadt) und Dr. Irmgard Niemeyer (Forschungszentrum Jülich) das Thema Verifikation im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle. Sie hoben die Aufgaben hervor, die sich aus dem Nichtweiterverbreitungsvertrag für Kernwaffen (1970) und dem deutschen IAEO-Safeguards-Programm (seit 1978), das mit begleitenden Forschungsprojekten unterstützt werden, ergeben. Des Weiteren gehe es um Fragen der Proliferation und Kontrolle von nuklearwaffenrelevantem Material und Produktionstechnologien. Dieses technische Wissen sei z. B. für Atomvertrag mit dem Iran von grundlegender Bedeutung gewesen. Nicht weniger bedeutsam seien Forschungen zur möglichen Verifikation bei der Zerstörung nuklearer Sprengköpfe, bei der hochsensible verfahrenstechnische Probleme gelöst werden müssten.

Rspel neu
Am Beispiel des „Tabubruchs“ des Einsatzes chemischer Waffen im Syrienkonflikt erläuterte Dr. Mirko Himmel, Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung der Universität Hamburg, in welchem Umfang sich neue Forschungsaufgaben im Bereich der Bio- und Chemiewaffen stellen. Der aktuelle Fall habe deutlich gemacht, wie wichtig eine präventive Rüstungskontrolle sei. Dies gelte insbesondere auch für den Bereich der Biowaffen, wo sich das Problem des Dual Use sowie eines möglichen Missbrauchs von neuen Risikotechnologien in besonderer Weise stellten. Die betreffenden internationalen Übereinkommen müssten angepasst und gestärkt werden, nicht zuletzt auch um Transparenz und vertrauensbildende Maßnahmen zu ermöglichen.

Das Feld der Forschung zur konventionalen Rüstungskontrolle stellten Dr. Jürgen Altmann und Christian Alwardt, IFSH, in ihrem Beitrag „Von Unbemannten Systemen zu Nanotechnologien“ vor. Sie hoben die Bedeutung des technischen Sachverstands hervor, ohne den friedens- und sicherheitspolitische Implikationen neuer Technologien kaum abgeschätzt werden könnten. Hieraus ergäben sich vielfältige Forschungsfelder von der Automatisierung und Robotik, Miniaturisierung von Systemen, Präzisions- und Distanzwaffen bis zur Digitalisierung und computergesteuerten Vernetzung. Diese trügen zu einem Wandel der militärischen Strategie- und Einsatzkonzepte bei, eröffneten aber auch neue Verifikations- und Monitoringoptionen bei der Rüstungskontrolle.

Altmann neuDr. Marcel Dickow, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), befasste sich mit dem hochaktuellen Thema der „Cyberangriffe und Cyberaufrüstung“ und ihrer Bedeutung für die internationale Sicherheit. Er betonte die Spezifika des Cyberraums, der nicht nur neue Akteurkonstellationen und Interessen hervorbringe, sondern auch durch seine Besonderheiten wie Delokalisierung, Attributionsprobleme sowie offene Norm- und Regelfragen ein schwierig zu bearbeitendes Feld darstelle. Hierdurch entstehe ein „Spielfeld ohne Schiedsrichter“, das durch große Rüstungsdynamiken gekennzeichnet sei, ohne dass bislang Konzepte einer Cyberrüstungskontrolle in Sicht seien, die zu einer Verregelung der Aktivitäten führen könnten.

Die Referenten waren sich darin einig, dass für die Bearbeitung dieser Forschungsfragen eine fächerübergreifende Zusammenarbeit dringend erforderlich sei, um die technischen Aspekte mit politikwissenschaftlichen und rechtlichen Fragestellungen zu verknüpfen. Durch solche Kooperation ließe sich die Aufbereitung der Erkenntnisse für die Politikberatung deutlich verbessern. Allerdings mangele es in nahezu allen Bereichen an der erforderlichen Ausstattung mit hinreichenden Personal- und Förderkapazitäten. Oder wie einer der Teilnehmer pointiert feststellte: Die einschlägig arbeitenden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seien mehr oder weniger im Veranstaltungsraum versammelt.

 

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Workshop der Stiftung und Fachsymposion von DSF und FONAS in Berlin

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

friedensgutachten 2017 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2017

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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