Kleinprojektförderung

Forschungsvorhaben

Exponat zur sicherheitspolitischen Dimension und zu Proliferationsrisiken von Kernfusion auf dem Ausstellungsschiff "MS Wissenschaft" im Wissenschaftsjahr der Energie 2010
Projekt von Prof. Dr. Harald Müller, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 
Laufzeit von Mai bis Oktober 2010

Zusammenfassung

In die Zukunftstechnologie Kernfusion als neue Quelle der Energiegewinnung werden große Hoffnungen gesetzt: Die Rohstoffe, die für die Reaktionen benötigt werden, vor allem Wasserstoff und Lithium, sind praktisch grenzenlos verfügbar und die Endlageranforderungen für die radioaktiven Abfälle überschaubar. Doch bei aller Begeisterung für diese Technologie sollten die damit verbundenen Risiken, wie die Verbreitung von Kernwaffen, nicht vergessen, sondern frühzeitig in die Entwicklung von Kernfusionsreaktoren eingebunden werden.
Das auf der "MS Wissenschaft" präsentierte Exponat der Hessischen Stiftung Frieden- und Konfliktforschung (HSFK) ist eng an das Forschungsprojekt „Proliferationsresistente Gestaltung von Fusionsreaktoren – Beitrag zur Entwicklung einer effektiven und gerechten nuklearen Ordnung für das 21. Jahrhundert“ geknüpft und wurde im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation der HSFK, der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt entwickelt.
Das Exponat zielt darauf ab, die Zukunftstechnologie Kernfusion nicht nur als technologische, sondern auch als weltpolitische, gesellschaftliche Herausforderung zu betrachten. Sowohl Wissenschaft als auch Öffentlichkeit sollen mit diesem Projekt für diese zusätzliche Dimension sensibilisiert werden.
Die auf dem Ausstellungsschiff gezeigte Computersimulation besteht aus drei interaktiven Teilen: Zunächst werden in einem Video die technischen Grundlagen der Kernfusion vermittelt; zwei weitere Kurzfilme erklären Vor- und Nachteile der Kernfusion: Wie kann man einen Fusionsreaktor manipulieren, um neben der Stromproduktion auch waffenfähiges Spaltmaterial zu erzeugen? Die Frage, wann und wo Staaten in der Vergangenheit zivile Nukleartechnologien für militärische Zwecke missbraucht haben, wird per interaktiver Weltkarte im zweiten Modul erklärt. Es erscheinen Kurzinformationen zum Kernwaffenstatus dieser Staaten bzw. zu ihrer (Nicht-)Teilnahme am Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV). Im letzten Teil, einem interaktiven Spiel, können die BesucherInnen in die Rolle von IAEO-Inspektoren schlüpfen und so genannte Safeguards (Absicherungsmaßnahmen) bauen, um missbräuchliches Erbrüten waffenfähigen Materials zu verhindern.

 

Abstract

The future technology of nuclear fusion as a new energy source is very promising: Resources needed for the reactions, especially hydrogen and lithium, are virtually available in an unlimited amount and requirements for the final disposal of radioactive waste would be manageable. Despite all enthusiasm for this novel technology, the associated risks such as the proliferation of nuclear weapons, should not be ignored. Instead they must be considered already at an early stage in the development of nuclear fusion reactors.
The exhibit presented by the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) on the "MS Science" ship, is closely linked to the research project "Designing proliferation-resistant fusion reactors – Ideas for developing an effective and just nuclear order for the twenty-first century " and was developed within an interdisciplinary cooperation between PRIF, the University of Applied Sciences in Darmstadt and the Technical University in Darmstadt.
The exhibit's concept aims at considering nuclear fusion not only from a technological but also from a global political as well as social perspective. Both the scientific and the public sphere should be sensibilized for this additional dimension nuclear fusion entails. The exhibit comprises of a computer simulation consisting of three interactive parts: Firstly, a video introduces the users to the technical background of nuclear fusion; two additional short films explain the advantages and disadvantages of this technology: How can a fusion reactor generating electricity be manipulated in order to use the technology for the production of weapons and fissile material? The second module, an interactive world map, explains which states misused civilian nuclear technologies for military purposes in the past. The user can obtain information on these countries' current proliferation status and their (non-) participation in the Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT). The last part, an interactive game, allows visitors to slip into the role of an IAEA inspector and build so-called safeguards to prevent the extraction of weapons material.