Kleinprojektförderung

Wissenschaftliche Veranstaltung

„Just Peace Governance“. Konzepte und Widersprüche eines gerechten Weltregierens für den Frieden
19.-20. Juni 2009

Zusammenfassung

Wissenschaftliches Festsymposium anlässlich des 60. Geburtstags von Harald Müller
19./ 20. Juni 2009, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
Mit ihrem zukünftigen Forschungsprogramm wird die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) unter dem Titel „Just Peace Governance“ drei begriffliche Konzepte zusammen bringen, die für die Friedens- und Konfliktforschung seit jeher von erheblicher theoretischer Bedeutung und praxeologischer Reichweite sind. Wie im Falle des „Demokratischen Friedens“, der im Zentrum der laufenden HSFK-Forschung steht, suggeriert die Begriffskombination, dass alle guten Dinge zusammengehen. Wie im For-schungsprogramm „Antinomien des Demokratischen Friedens“ geht es darum, diese optimistische Intuition kritisch zu hinterfragen, indem die in und zwischen den Konzepten verborgenen Friktionen und Widersprüch-lichkeiten aufgedeckt und auf ihre Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen hin ausgeleuchtet werden. Empi-risch interessiert dabei insbesondere die Frage, welche Bedeutung die impliziten oder expliziten Gerechtig-keitsvorstellungen unterschiedlicher Akteure für den Konfliktaustrag in heterogenen Governance-Settings (sei es im internationalen, transnationalen oder nationalen Raum) haben, inwieweit sie also Risiken für den Frieden und Ursachen für Gewalt begründen bzw. inwieweit sich umgekehrt Schnittmengen und Kompromissmöglich-keiten im Interesse von Frieden und gewaltloser Konfliktbearbeitung zeigen.
Ziel der Tagung ist es, sich dem durch die Trias Gerechtigkeit, Frieden und Governance konstituierten themati-schen Zugriff des zukünftigen HSFK-Forschungsprogramms in ersten konzeptionellen und empirischen Schrit-ten zu nähern. Dabei steht die Relevanz der bisherigen HSFK-Forschung für die Beschäftigung mit Fragen der „Just Peace Governance“, mithin insbesondere die Schnittstellen zwischen laufendem und zukünftigem For-schungsprogramm im Zentrum der Tagung. Vor diesem Hintergrund geht die Tagung einer doppelten Frage-stellung nach: (1) Welche Chancen und Risiken bergen liberal-demokratisch geprägte Ordnungsvorstellungen für eine gerechte und friedliche Gestaltung globalen Regierens? (2) Welche Konsequenzen hat die faktische kulturell-normative Heterogenität – insbesondere in Gestalt konkurrierender Gerechtigkeitsvorstellungen – für die Friedenstauglichkeit und Problemlösungsfähigkeit globaler Governance-Strukturen und -Entwürfe? Der ersten Teilfragestellung nähert sich die Tagung aus der Perspektive der (HSFK-)Forschung zum „Demokrati-schen Frieden“ sowie der Debatten über Global Governance und globale Gerechtigkeit, an die „Just Peace Governance“ anschließt. Die zweite Teilfragestellung wird an zwei konkreten Beispielen diskutiert: mit Blick auf die Religion als zentralem Ursprung konkurrierender Gerechtigkeits- und Ordnungsvorstellungen sowie am Beispiel der Massenvernichtungswaffen, bei dem die Relevanz kulturell-normativer Heterogenität für Chancen und Grenzen der internationalen Regulierung dieses friedenspolitisch so dringlichen Feldes zu ergründen ist.
Die Veranstaltung findet zu Ehren des langjährigen Geschäftsführenden Vorstandsmitglieds der HSFK, Harald Müller, anlässlich seines 60. Geburtstages statt.
Organisation: Claudia Baumgart-Ochse, Una Becker, Nicole Deitelhoff, Niklas Schörnig, Simone Wisotzki, Jonas Wolff (HSFK)

Abstract

In its future Research Programme on “Just Peace Governance”, the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) will bring together three concepts that, for peace and conflict research, have always had major theoretical im-portance as well as practical relevance. As in PRIF’s ongoing research on the “Democratic Peace”, the combi-nation of concepts suggests that all good things go together. Not unlike the research programme “Antinomies of Democratic Peace”, the programme “Just Peace Governance” aims to subject this optimistic intuition to critical examination by uncovering the frictions and contradictions concealed in and between the concepts and by throwing light upon their incompatibilities and side effects. Empirically, a central issue will be the rele-vance of different actors’ implicit and explicit conceptions of justice for handling conflicts in heterogeneous governance settings (be it at the international, transnational or national levels), and thus to what extent they constitute risks for peace and causes of violence. This includes the search for areas of overlap and potential compromises in the interest of peace and non-violent conflict resolution.
The symposium aims at approaching PRIF’s new research perspective constituted by the triad of justice, peace and governance by taking first, conceptual and empirical, steps. An important objective concerns the relevance of PRIF’s previous work for dealing with questions of “Just Peace Governance”, i.e., the identification of inter-faces between the ongoing and the future Research Programme. Against this background, the symposium will deal with two specific questions: (1) Which are the benefits and risks of liberal-democratic conceptions of or-der for a just and peaceful global governance? (2) What are the consequences of factual, cultural/normative heterogeneity – especially as regards competing conceptions of justice – for the implications for peace and problem-solving of existing structures of and proposals for global governance? The first question will be ap-proached from the perspective of the (PRIF) research on the “Democratic Peace” and by taking up the aca-demic debates on global governance and global justice. The second question will be dealt with by looking at two concrete examples: the role of religion as a central source of competing conceptions of justice and order, and the international control of weapons of mass destruction as a policy field crucial for questions of war and peace where the relevance of cultural/normative heterogeneity for the chances and limits of international regu-lation have to be discussed.
The symposium is organised in honour of PRIF’s long-term director Harald Müller, on the occasion of his 60th birthday.
Organization: Claudia Baumgart-Ochse, Una Becker, Nicole Deitelhoff, Niklas Schörnig, Simone Wisotzki, Jonas Wolff (HSFK)