Kleinprojektförderung

Forschungsvorhaben

Peacebuilding in Practice: Researching the Interaction of Interveners and Intervened
Forschungsprojekt von Prof. Dr. Michael Daxner, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, und Prof. Dr. Christoph Zürcher, University of Ottawa
Laufzeit: März bis Oktober 2011

Zusammenfassung

Internationale Peacebuilding Missionen tragen häufig dazu bei, gewaltsame Konflikte zu beenden. Sie sind jedoch weniger erfolgreich in ihrem Anliegen, in Post-Konflikt-Staaten demokratische Regime zu etablieren. Die bisherige Forschung zum Thema tut sich mit Erklärungen dieses Befundes schwer. Wir argumentieren, dass der praktische Implementierungsprozess von Peacebuilding selbst diesen Befund teilweise erklären kann.
Die Ergebnisse internationaler Peacebuilding Missionen sind nicht nur von strukturellen Faktoren oder dem Footprint der Missionen abhängig. Sie werden zu einem nicht geringen Maße auch von der Interaktion zwischen Intervenierenden und Intervenierten bestimmt. Die Interessen und Prioritäten dieser beiden Gruppen stimmen häufig nicht überein. Während die politischen Eliten der intervenierten Gesellschaft etwa häufig von den materiallen und symbolischen Ressourcen profitieren wollen, welche die Intervenierenden mit sich bringen, sind sie oft weniger an demokratischen Reformen interessiert, weil diese als Gefährdung ihrer Sicherheit oder des privilegierten Zugangs zu Machtpositionen angesehen werden. Die Intervenierenden hingegen möchten demokratische Reformen fördern, sind häufig aber nicht willens, substantielle Ressourcen bereitzustellen. Zudem sind sie einem ständigen Erfolgsdruck ausgesetzt. Die Ergebnisse von Peacebuildingmissionen sind zu einem großen Teil abhängig von informellen Verhandlungsprozessen, in denen Intervenierende und Intervenierte mehr oder weniger erfolgreich versuchen, zu einer Einigung über die Wege und Ziele von Peacebuilding zu gelangen.
Die Pilotstudie nimmt explizit die Interaktionsprozesse im Implementierungsprozess von Peacebuilding in den Fokus und konzentriert sich dabei auf drei Aspekte: die Themen und Interessen, die verhandelt werden, die Ressourcen und Strategien, die dabei zum Einsatz kommen, und die Resultate solcher Verhandlungsprozesse. Um Einblick in diese informellen Verhandlungsprozesse zu erhalten, werden wir eine Reihe von qualitativen, semi-strukturierten Interviews mit den Praktikern von Peacebuilding (Intervenierenden wie Intervenierten) führen. Das hier vorliegende Projekt ist eine Pilotstudie zu Bosnien und Herzegowina. Die Ergebnisse der Pilotstudie dienen der Überarbeitung des konzeptionellen Rahmens und der Forschungsstrategie sowie der Entwicklung von Hypothesen, die dann in einem Folgeprojekt im Vergleich mehrerer Fälle getestet werden sollen.

Abstract

While international peacebuilding missions often contribute to ending violent conflict, they are less successful in establishing democratic regimes in post-conflict states. Existing research struggles to explain this finding. We argue that a part of the explanation lies in the practical process of the implementation of peacebuilding itself.
The outcomes of international peacebuilding missions are not only determined by structural factors within the postwar society and by the footprint of the peacebuilding mission, but also to a large extent by the interaction between intervened and interveners. Often the interests and priorities of intervened and interveners are not aligned. The political elites of the intervened society may wish to benefit from the resources - both material and symbolic – that the interveners bring, while they may not be too keen to adopt a democratic postwar order, because they may perceive democratic reforms as endangering their security, or their privileged access to power or predation. The interveners, on the other hand, seek to promote democratic reforms, but may be unwilling to commit substantial resources and are under constant pressure to demonstrate success. Consequently, the outcomes of peacebuilding depend to a large extent on the outcomes of the informal negotiation processes by which interveners and intervened try to sort out these differences and agree (or fail to do so) on  the kind of peace they intend to build.
This pilot project explicitly focuses on the interactive processes of implementing peacebuilding measures and concentrates on three aspects: the issues and interests at stake, the resources and strategies employed, and the outcomes of such negotiation processes. We will conduct a series of qualitative, semi-structured interviews with the practitioners of peacebuilding (interveners and intervened) which allows gathering insights on the informal negotiation processes which are at the heart of peacebuilding. This is a pilot study focusing on Bosnia and Herzegovina. Results from the pilot study will be used to refine the conceptual framework and the data gathering strategy and will help us to develop hypotheses to be then tested in a follow-up project with a multi-case research design.