Globalisierung und innenpolitische Stabilität

Forschungseinrichtung: Universität Konstanz

Projektleitung: Prof. Dr. Gerald Schneider

Publikationen:

Globalization and armed conflict. Ed. by Gerald Schneider, Katherine Barbieri und Nils Petter Gleditsch. Lanham u.a.. 2003.  

Margit Bussmann, Harald Scheuthle, Gerald Schneider: Die “Friedensdividende” der Globalisierung: Außenwirtschaftliche Öffnung und innenpolitische Stabilität in den Entwicklungsländern. In: Politische Vierteljahresschrift 44. Jg. (2003) Heft 3, S.1-23.

Margit Bussmann, Gerald Schneider, Nina Wiesehomeier: Foreign Economic Liberalization and Peace: The Case of Sub-Saharan Africa. In: European Journal of International Relations Vol. 11 (4), 2005. S. 551-579.

Gerald Schneider und Vera E. Tröger: The Winners and Losers of War: Stock Market Effects of Armed Conflict. Juan March  Working Paper 2004/205.

Gerald Schneider/Margit Bussmann: Globalisierung und innenpolitische Stabilität: Der Einfluss außenwirtschaftlicher Öffnung auf das innenpolitische Konfliktpotential. Forschung DSF, Heft 2, Osnabrück 2005

Margit Bussmann, Harald Scheuthle, Gerald Schneider: Trade Liberalization and Political Instability in Developing Countries. In: Robert Trappl (Hrsg.): Programming for Peace: Springer 2006, S. 49-70.

Gerald Schneider: Globalisierung = Frieden? Eine verkürzte Gleichung. In: Internationale Politik Juni 2006. S. 118-123.

Gerald Schneider/Vera Troeger: War and the World Economy: Stock Market Reactions to International Conflicts, 1990-2000. In: Journal of Conflict Resolution No. 50/5: October 2006, S. 623-645.

Margit Bussmann/Gerald Schneider:  (2007) When Globalization Discontent Turns Violent: Foreign Economic Liberalization and Internal War. In: International Studies Quarterly 51 (1), S. 79–97 http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/j.1468-2478.2007.00440.x

Gerald Schneider: War in the Era of Globalization. In: The Blackwell Companion to Globalization. Ed. George Ritzer. Oxford: Blackwell 2006.

Gerald Schneider, Nils Petter Gleditsch: The Capitalist Peace: The Origins and Prospects of a Liberal Idea. In: International Interactions Volume 36/2 erscheint 2010

Diverse Zeitschriftenartikel im Erscheinen;  liegen noch nicht vor

Gerald Schneider: Globalisierung und Frieden: Die Perspektive der Politischen Ökonomie. In Konflikt, Macht und Gewalt aus politökonomischer Perspektive. Ed. Bernhard Neumärker. Marburg: Metropolis

Gerald Schneider: Banking on the Broker: Forecasting Conflict in the Levant with Financial Data. In Prediction: Breakthroughs in Science, Markets, and Politics. Eds. Frank Wayman, Paul Williamson and Bruce Bueno de Mesquita. Ann Arbor: University of Michigan Press

Gerald Schneider/Vera E. Troeger. K.D. The Winners and Losers of War (revise and resubmit, Journal of Peace Research)

Margit Bussmann/Gerald Schneider/Nina Wiesehomeier. Globalization Anger? Foreign Economic Liberalization and Social Unrest in Latin America and the Caribbean ISI Ranking IB

Zusammenfassung

Das Forschungsprojekt will überprüfen, inwiefern die von verschiedensten Staaten in den letzten Jahrzehnten betriebene außenwirtschaftliche Öffnung das innenpolitische Konfliktpotential beeinflusst. Der Einfluss der Globalisierung und ihrer Begleiterscheinungen auf die Innenpolitik der Nationalstaaten ist eines der zentralen Desiderate im liberalistischen Ansatz zur Konflikt- und Friedensforschung. Bis jetzt beschäftigte sich die Nachfolgeforschung zum „Demokratischen Frieden“ nämlich fast ausschließlich mit zwischenstaatlichen Konflikten. Wenig empirische Arbeit wurde bisher unternommen, um die Stichhaltigkeit des ‚liberalen’ Friedens in bezug auf innenpolitische Gewalt zu erkunden. Das ist umso störender, da seit einiger Zeit deutlich mehr Bürgerkriege als zwischenstaatliche Kriege ausgefochten werden.

Die Frage nach den politischen Implikationen des „Wettlaufs zum Freihandel“ ist durch die Debatte über die Auswirkungen der Globalisierung motiviert. So glauben einige Gegner der Globalisierung, dass die Liberalisierung der Außenhandelspolitik  die Einkommensungleichheit verschärfe und so ein vorwiegend wirtschaftlich bedingtes, internes Konfliktpotential schüre. Im Gegensatz dazu verbindet die Mehrzahl der Ökonomen und Politiker außenwirtschaftliche Öffnung mit der Erwartung von Wirtschaftswachstum und, damit verknüpft, mit der Hoffnung auf eine gesellschaftliche Stabilisierung. Eine dritte Position in dieser Debatte besteht darin, aufgrund der kurz- und mittelfristigen Umverteilungswirkungen außenwirtschaftlicher Öffnung eine Erhöhung des Risikos von innenpolitischen Konflikten für den Zeitraum zu erwarten, in dem ein Staat sich wirtschaftlich restrukturiert. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen ist die Frage zentral, ob die Liberalisierung der Außenwirtschaftspolitik Gesellschaften destabilisiert oder gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen die anziehenden innenpolitischen Konflikte mindern kann.

Wir greifen drei Spielarten dieses Diskurses auf und fragen nach,

  1. inwiefern außenwirtschaftliche Öffnung längerfristig das innenpolitischen Konfliktpotential erhöht oder ob die Liberalisierung eine gegenteilige Wirkung hervorruft;
  2. ob außenwirtschaftliche Öffnung zwar längerfristig keine solche Wirkungen entfaltet, aber in der Transistionsphase die Konfliktwahrscheinlichkeit erhöht;
  3. in welchem Ausmaß der möglicherweise negative Effekt außenwirtschaftlicher Öffnung an die Wirkung anderer Faktoren geknüpft ist. So kann sich in einer Demokratie außenwirtschaftliche Öffnung zwar in Protesten äußern, diese werden jedoch nicht gewalttätig, da die Bevölkerung verschiedene legale Ausdrucksformen für ihre Unzufriedenheit hat. In einem Staat, in dem die Bevölkerung kaum Rechte hat, kann es durchaus zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen. Weitere vermittelnde Faktoren sind Entwicklungsstand, Einkommensverteilung und Bevölkerungsgröße.

In der Studie werden wir den möglichen Zusammenhang zwischen außenwirtschaftlicher Öffnung und innenpolitischem Konfliktpotential zunächst formaltheoretisch erkunden, wobei sich unser Modell an die klassische Literatur zur außenwirtschaftlichen Öffnung anlehnen wird. Wir begreifen dabei die innenpolitischen Auseinandersetzungen um die außenwirtschaftliche Orientierung als Verhandlung zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Aus diesem Modell leiten wir Hypothesen ab, die wir mit einem Paneldesign empirisch überprüfen und deren Stichhaltigkeit wir auch mit Regional- und Länderstudien qualitativ erforschen.

Wir erwarten, dass dieses Projekt die Diskussionen um die Folgewirkungen der ökonomischen Integration versachlicht und gleichzeitig einen signifikanten Beitrag zur These des „freihändlerischen Friedens“ leistet. Neben Publikationen in Fachorganen ist auch vorgesehen, gezielt über populärwissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge ein breites Publikum zu erreichen.