Nichtregierungsorganisationen in der transnationalen Konfliktprävention und -bearbeitung. Das Problem der demokratischen Legitimation und Verantwortlichkeit
Forschungseinrichtung: FernUniversität Hagen
Projektleitung: Prof. Dr. Hajo Schmidt
Publikationen:
Schrader Lutz: Zauberformeln für eine friedliche Weltordnung? Internationale Zivilgesellschaft, lokale Partizipation, Global Governance. In: Wissenschaft und Frieden, 3/02, S. 52-55
Denskus, Tobias: Mazedonien: Internationaler Frieden ohne lokale Entwicklung? Globale Kultur der Konfliktprävention und Transformation in: Wissenschaft und Frieden, 1/04, S.28-31
Zusammenfassung
Ausgangspunkt für das Projekt ist die seit Ende der 1980er Jahre
zu beobachtende Aufwertung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als
Akteure der inter-/transnationalen Politik. Damit wird nicht zuletzt
die Frage nach der politischen Qualität des inter-/transnationalen
Handelns nichtstaatlicher Akteure im Rahmen der politischen Steuerung
der Weltangelegenheiten (Global Governance) aufgeworfen. Um einigermaßen
verlässliche Aussagen darüber treffen zu können, ob und
inwieweit NGOs politische Organisationen sind, bedarf es nicht nur der
Aufklärung darüber, worin ihre (politische) Identität
zwischen Staat und Markt und ihre spezifischen Machtressourcen bestehen.
Ebenso wichtig ist die Beantwortung der Frage nach der Handlungsberechtigung,
auf die sich ihr Anspruch auf Mitwirkung in den Weltangelegenheiten stützt
bzw. stützen kann.
Aus diesem umfangreichen Bedeutungs- und Problemfeld wird im Rahmen des
Forschungsprojekts eine konkrete Fragestellung herausgegriffen, ohne jedoch deren
Einbettung in den Gesamtzusammenhang (Global Governance, politische Identität
zivilgesellschaftlicher Akteure, Konfliktprävention und -bearbeitung als
Feld der inter-/transnationalen Politik, Möglichkeiten und Grenzen trans-/internationaler
bzw. globaler Demokratie) aus dem Blick zu verlieren. Die zentrale forschungsleitende
Fragestellung lautet:
Auf welche legitimatorischen Grundlagen kann sich die Mitwirkung transnationaler
NGOs bei der Vorbeugung und Bearbeitung gewaltträchtiger (innerstaatlicher)
Konflikte stützen? Inwiefern sind diese Grundlagen ausreichend bzw. defizitär?
Untersucht wird sowohl die innere als auch die äußere Dimension
der Legitimität/Legitimation von Nichtregierungsorganisationen. Während
erstere die innere Verfasstheit und Struktur, einschließlich so wichtiger
Kriterien wie Entscheidungs- und Wahlverfahren, Transparenz und Verantwortlichkeit,
umfasst, bezieht sich die zweite Dimension auf die Repräsentanz, die normativen
Grundlagen und die Leistungsfähigkeit von NGO-Handeln. Berücksichtigung
findet dabei auch der Legitimationstransfer bzw. -austausch mit (demokratisch
legitimierten) staatlichen und intergouvernementalen Akteuren in sog. Legitimationsketten.
Das Forschungsprojekt hat eine theoretische und eine empirische Komponente.
Die Theoriearbeit zielt insbesondere auf die projektbezogene Weiterentwicklung
des Global Governance-Ansatzes, die Erarbeitung eines adäquaten Politikbegriffs
für die Analyse inter-/transnationalen Regierens unter Beteiligung nichtstaatlicher
Akteure, die Ermittlung von Strukturmerkmalen inter-/transnationaler issue
networks in der Konfliktprävention und -bearbeitung sowie die Erarbeitung
eines demokratie- und legitimationstheoretischen Konzepts zur Abbildung des
NGO-Handelns in inter-/transnationalen Konflikten. Im Fokus der empirischen
Forschung befindet sich die Erhebung möglichst aussagekräftiger Informationen
zum Meinungsbild wichtiger (staatlicher, transnationaler, internationaler und
zivilgesellschaftlicher) Akteure im Politikfeld zivile Konfliktprävention
und -bearbeitung in Bezug auf die legitimatorischen Grundlagen des Handelns
zivilgesellschaftlicher Akteure. Zu diesem Zweck werden an einem Fallbeispiel
(Mazedonien) in quantitativ- und qualitativ-empirischen Untersuchungen (Feldanalyse,
Umfragen, Interviews) die zentralen Hypothesen getestet.
Die Beantwortung dieser im ureigensten Sinne friedenswissenschaftlichen Fragen
kann wichtige theoretische Einsichten befördern und konzeptionelle Brücken
für eine effektivere Kooperation zwischen unterschiedlichen (staatlichen
und nichtstaatlichen) Akteuren bei der Verhütung und Beilegung gewaltträchtiger
Konflikte schlagen. Theoretisch und empirisch belastbare Befunde können
z.B. die politischen Voraussetzungen für eine wirksamere Nutzung der komplementären
Vorteile von NGOs bei der Konfliktprävention und -bearbeitung verbessern.
Zugleich ließen sich die Kriterien für die Beurteilung und Evaluierung
von NGOs klarer konturieren.
