Institutshomepage: www.uni-muenster.de/Geographie/
Von den Projektnehmern geleiteter Arbeitskreis der DGfG: www.politische-geographie.de
Institution: Institut für Geographie, Westfälische-Wilhelms-Universität Münster
Projektleiter: Prof. Dr. Paul Reuber, Dr. Günter Wolkersdorfer
Publikationen
Reuber, Paul / Wolkersdorfer, Günter: Geopolitische Weltbilder als diskursive Konstruktionen – Konzeptionelle Anmerkungen und Beispiele zur Verbindung von Macht, Politik und Raum. In: Heidelberger Jahrbuch 47 (2003), S. 367-387.
Reuber, Paul / Wolkersdorfer, Günter: Auf der Suche nach der Weltordnung? Geopolitische Leitbilder und ihre Rolle in den Krisen und Konflikten des neuen Jahrtausends. In: Petermanns Geographische Mitteilungen 148 (2004), 2, S. 12-19.
Reuber, Paul / Strüver, Anke / Wolkersdorfer, Günter: Geopolitische Diskurse in den Printmedien nach dem 11. September und während des Afghanistan-Krieges. In: Diskurse der Gewalt und Gewalt der Diskurse. Hrsg. von Michael Schultze et al. Frankfurt a. M. 2005. S. 195-209.
Reuber, Paul und Mattissek, Annika: Die Diskursanalyse als Methode in der Geographie – Ansätze und Potentiale. In: Geographische Zeitschrift 92 2004 H. 4, S. 227-242.
Reuber, Paul und Pfaffenbach, C.: Methoden der empirischen Humangeographie. Braunschweig: Westermann 2005.
Wolkersdorfer, G.: Das Konzept der Kulturerdteile und der Kampf der Kulturen. In: Glasze, G. u. J. Thielmann (Hrsg.): "Orient" versus "Okzident". Zum Verhältnis von Kultur und Raum in einer globalisierten Welt. Mainzer Kontaktstudium Geographie Bd. 10 2006, S. 9-17.
Mattissek, Annika und Reuber, Paul: Poststrukturalistische Methoden in der Geographie: das Beispiel Diskursanalyse. In: Gebhardt, H. et al. (Hrsg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg Spektrum 2007, S. 173-181.
Reuber, Paul und Wolkersdorfer, Günter: Raum und Macht: Geopolitik des 21. Jahrhunderts. In: Gebhardt, H. et al. (Hrsg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg Spektrum 2007, S. 895-904.
Reuber, Paul und Wolkersdorfer, Günter: Politische Geographie. In: Gebhardt, H. et al. (Hrsg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg Spektrum 2007, S. 751-770.
Paul Reuber und Anke Strüver: Diskursive Verräumlichungen in deutschen Printmedien – das Beispiel Geopolitik nach 9/11. In: Mediengeographie : Theorie - Analyse – Diskussion. Hrsg. von Jörg Döring und Tristan Thielmann. Bielefeld: Transcript 2009, S. 315-332.
Zusammenfassung
Das vorliegende Forschungsprojekt analysiert die Medienberichterstattung über
die Terroranschläge von New York und Washington sowie den daraus resultierenden
Militärschlag gegen Afghanistan und die Diskussionen um einen Krieg gegen
den Irak aus einer politisch-geographischen Perspektive. Im Zentrum des diskursanalytischen
Vorgehens steht die Dekonstruktion der geopolitischen Rhetoriken, Leitbilder
und Metaphern, die in den Medien über den Anschlag und dessen Implikationen
aus der Perspektive unterschiedlicher Akteure verfasst und verbreitet wurden.
- Welche geopolitischen Argumentationen verwenden sie?
- Wie werden die Terroristen bzw. die amerikanische Regierung und ihre Verbündeten
dargestellt?
- Welche territorialen Semantiken einer neuen geopolitischen Gegnerschaft dienen
zur argumentativen Legitimation der politischen und kriegerischen Gegenmaßnahmen?
- Mit welchen kartographischen und fotographischen Repräsentationen werden
in den Medien die Argumentationen unterstützt?
Die vergleichende Dekonstruktion der geopolitischen Krisendiskurse nach
dem Anschlag soll auch in den Blick nehmen, aus welchen akteursspezifischen
Perspektiven sie jeweils konstruiert sind und welchen strategischen politischen
und ökonomischen Interessen sie dienen.
Die Diskursanalyse arbeitet mit diesem Vorgehen die zentrale Rolle der Medien
bei der Entstehung geopolitischer Argumentations- und Deutungsmuster (diskursiver
Formationen) heraus. Im Anschluss daran wird mit Hilfe von Tiefeninterviews
die mediale Aufarbeitung bei publizistischen Diskursproduzenten analysiert.
Kaum ein Ereignis der letzten Jahrzehnte machte die Macht geopolitischer Diskurse
und die suggestive Kraft ihrer Abgrenzungs- und Begründungsrhetoriken
deutlicher als der Anschlag vom 11. September sowie die in der Folge eingeleitete
geopolitische Doktrin vom ‚Kampf gegen den Terrorismus’. Das Beispiel
eignet sich daher fast lehrbuchhaft, um die Rolle territorialisierender Codes
sowie die Abhängigkeit des Krisenverlaufs von solchen Diskursen nachzuzeichnen.
Die Dekonstruktion dieser vermeintlichen ‚geopolitischen Wahrheiten’ leistet
einen konzeptionellen Beitrag zu einer zeitgemäßen Form der Friedensforschung.
Nur die Offenlegung der Macht solcher Diskurse kann deren subtil-manipulativen
Charakter enttarnen und damit mehr partizipative Transparenz für die Bürgerinnen
und Bürger der demokratischen Zivilgesellschaft bei der kritischen Bewertung
solch einschneidender Ereignisse schaffen.

