Nachrichtenmedien als Mediatoren von Demokratisierung, Peace-Building und Versöhnung in Nachkriegsgesellschaften - Entwicklung eines friedensjournalistischen Modells
Forschungseinrichtung: Universität Konstanz
Projektleitung: Prof. Dr. Wilhelm Kempf
Publikationen:
ASPR (Ed.): Constructive conflict coverage – A social psychological
approach. Berlin. 2003.
Baros, W., Jaeger, S.: Eskalationsdynamik und Konfliktbearbeitung. In: Sommer,
G., Fuchs, A. (eds.). Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie.
Stuttgart. 2004.
Jaeger, S.: Die deutsche Zeitungsberichterstattung über Frankreich nach
dem zweiten Weltkrieg – Beiträge zur Aussöhnung. In: Conflict & communication
online, 2/2 (2003).
Jaeger, S.: Propaganda und Kriegsberichterstattung. In: Sommer, G.,
Fuchs, A. (eds.). Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie.
Stuttgart. 2004.
Kempf, W., Constructive conflict coverage – A social-psychological
research and development program. In: Conflict & communication online,
2/2 (2003).
Kempf, W., Konstruktive Konfliktberichterstattung – Ein sozialpsychologisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm. In: Conflict & communication online, 2/2 (2003).
Kempf, W.: Friedensjournalismus. In: Sommer, G., Fuchs, A. (eds.). Krieg
und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Stuttgart.
2004
Bläsi, B., Jaeger, S., Kempf, W., Möckel, J.: A catalog of escalation-
and de-escalation-oriented aspects of conflict coverage. Diskussionsbeiträge
der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 53. Berlin. 2004.
Bläsi, B., Jaeger, S.: Katalog konstruktiver Aspekte der Nachkriegsberichterstattung. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 54. 2004.
Von einem der Projektmitarbeiter verfasst, nicht direkt Teil des Projektes:
Bläsi, B.: Gewaltfreier Widerstand. In: Sommer,G., Fuchs, A. (eds.) Krieg
und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Stuttgart. 2004.
Paskoski, D.: Elemente des Friedensjournalismus: Konstruktive Berichterstattung in bleiernen Zeiten. Serbische Berichterstattung nach Milosevic. Eine qualitative Inhaltsanalyse. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 55. 2004.
Annabring, U., Spohrs, M.: Reception and Acceptance of Constructive Coverage by the Audience: Design of an Experimental Study. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 56. 2004.
Jaeger, S., Möckel, J.: Die Berichterstattung in de Frankfurter Rundschau über Jugoslawien nach dem Sturz von Slobodan Milosevic. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 57. 2004.
Annabring, U., Bläsi, B., Möckel, J.,: The German press coverage of Yugoslavia after the fall of Milosevic. In: Conflict & communication online, 3/1-2 (2004).
Bläsi, B.: Peace journalism and the news production process. In:Conflict & communcation online, 3/1-2 (2004).
Jaeger, S.: The German press coverage on France after World War II. In: Conflict & communacation online, 3/1-2 (2004).
Nachrichtenmedien als Mediatoren von Peace-Building, Demokratisierung und Versöhnung in Nachkriegsgesellschaften. Hrsg. von der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz. Berlin: irena regener 2005.
Kempf, W.: Two experiments focusing on de-escalation oriented coverage of post-war conflicts. In: Conflict & communacation online, 4/2 (2005).
Kempf, W., Jäger, S.: Konstruktive Nachkriegsberichterstattung – Ein Forschungsbericht. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 58. Berlin: irena regener 2005.
Bläsi, B.: Keine Zeit, kein Geld, kein Interesse...? Konstruktive Konfliktberichterstattung und die Medienrealitäten. Berlin: irena regener 2006.
Zusammenfassung
Wie keine andere bewaffnete Einmischung hat die Intervention der NATO
im Kosovo in Deutschland die Frage aufgeworfen, mit welchen Problemen
Nachkriegsgesellschaften zu kämpfen haben, welche Hindernisse einer
Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens entgegenstehen und welche
Institutionen, Strategien und Ressourcen entwickelt werden müssen,
um eine langfristige Zivilisierung von Politik und die Etablierung eines
andauernden Friedens zu gewährleisten.
Innerhalb dieses Prozesses stellen die Medien insofern eine wesentliche Ressource
dar, als sie über ihren Anteil an der Konstruktion gesellschaftlicher
Wirklichkeit als Katalysatoren der Demokratisierung wirken, die Funktion von
Mediatoren zwischen den Konfliktparteien einnehmen und einer konstruktiven
Konfliktbearbeitung den Weg bereiten können
Konkrete Strategien, wie die Medien diese Rolle ausfüllen können,
sind jedoch bislang nicht hinreichend ausgearbeitet und die bisher vorliegenden
Forschungsergebnisse sind sehr verstreut und ermangeln der Integration unter
eine übergreifende theoretische Perspektive.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es daher, das vorhandene Wissen zu bündeln
und zu systematisieren sowie einen Beitrag zur Entwicklung von Strategien der
sukzessiven Implementation einer konstruktiven, an Demokratisierung und Konflikt-Deeskalation
orientierten Medienberichterstattung zu leisten. Der Forschungsschwerpunkt
liegt dabei auf der Identifikation deeskalationsfördernder Aspekte der
medienvermittelten Wirklichkeit einerseits, sowie auf den Bedingungen andererseits,
welche ihre zielführende Handhabung, ihren optimalen Einsatz im Friedensprozess
und eine Verbesserung der Erfolgsaussichten gewährleisten.
Konkret geplant ist also die Entwicklung eines handlungsleitenden Modells,
wie Journalisten durch ihre Arbeit zur Deeskalation von Konflikten beitragen,
Friedensprozesse fördern und den Prozess der Versöhnung zwischen
den (früheren) Kriegsparteien unterstützen können.
Als Untersuchungsfeld für die empirisch-analytische Fundierung friedensjournalistischer
Modelle zielt das Projekt zunächst auf die Untersuchung der Medien in
andauernden - aus der Sicht der Beteiligten gelungenen - Friedensprozessen.
Dafür wird auf den Prozess der deutsch-französischen Aussöhnung
nach '45 als Fallbeispiel zurückgegriffen.
Um ein breiteres Spektrum kreativer journalistischer Ansätze zu identifizieren
und weiterzuentwickeln, wird parallel zu diesem Beispiel gelungenen Friedens
die Berichterstattung über ein dazu kontrastierendes aktuelles Konfliktfeld
erforscht, dessen Entwicklungsperspektiven noch offen sind und anhand dessen
die Fragen nach Umsetzbarkeit und Wirksamkeit friedensjournalistischer Modelle
empirisch studiert werden können. Die anstehenden Umwälzungsprozesse
und die Stabilisierung der betroffenen Region nach dem Ende des diktatorischen
Regimes in Serbien stellen hier ein Konfliktszenario dar, welches dem Forschungsvorhaben über
seine Verankerung in der Grundlagenforschung hinaus eine aktuelle politische
Dimension gibt.
Untersucht wird hierbei sowohl der serbische Diskurs selbst als auch der europäische
Diskurs über Serbien, der sich jedoch keineswegs als homogen erweist.
In dem Forschungsvorhaben werden daher verschiedene nationale Diskurse kontrastierend
analysiert. Exemplarisch für jene EU- und NATO-Staaten, die an der humanitären
Intervention im Kosovo militärisch beteiligt waren, soll der Nachkriegsdiskurs
der deutschen Medien herangezogen werden. Diesem wird der griechische Mediendiskurs
gegenübergestellt, der durch gewisse (historisch-religiös begründete)
Sympathien für die serbische Seite und die politisch-militärische
Enthaltsamkeit Griechenlands während der Intervention geradezu in umgekehrter
Weise vorbelastet ist, was die konstruktive Unterstützung der in Serbien
(nach Milosevic) anstehenden Transformationsprozesse betrifft.
Es ist zu erwarten, dass die analysierten Diskurse - wenngleich aus entgegengesetzten
Gründen - in Hinblick auf die friedensjournalistische Zukunftsperspektive
der Transformation Jugoslawiens und seiner europäischen Reintegration
keineswegs optimal sind. Dies bietet den Ansatzpunkt, um in Form experimenteller
Studien untersuchen zu können, wie die destruktiven Aspekte dieser Diskurse
dekonstruiert und sukzessive in einen Friedensdiskurs umgewandelt werden können.
Durch diesen Wechsel von der Inhaltsanalyse des faktischen Mediendiskurses
hin zur Erforschung der Akzeptanz eines alternativen, potentiell deeskalationsfördernden
Diskurses auf Seite der Rezipienten werden schließlich zentrale Aspekte
des zu entwickelnden friedensjournalistischen Modells hinsichtlich seiner Umsetzung,
der erforderlichen Anwendungsstrategien und der Optimierung seiner Erfolgsaussichten
einer empirischen Prüfung zugänglich gemacht.

