Neue Formen der Gewalt im internationalen System: Möglichkeiten und Grenzen der Prävention.
Forschungseinrichtung: Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)
Projektleitung: Prof. Dr. Eberwein
Publikationen:
Chojnacki, Sven: Wandel der Kriegsformen: Die Dimensionen neuer, privatisierter
Kriege. In: epd-Dokumentationen 2002 Nr. 31 (Die Kriege der Zukunft.
Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung), S. 40-47.
Chojnacki, Sven: Kriege der Zukunft: Reaktionsmöglichkeiten der Staatengemeinschaft.
In: epd-Dokumentationen 2002 Nr. 31, S. 63-69.
Chojnacki, Sven 2002: Kriege und Katastrophen im internationalen System. Empirische
Entwicklungen und neue Herausforderungen. In: Humanitäre Hilfe statt Politik?
Neue Herausforderungen für ein altes Politikfeld. Hrsg. Von Wolf-Dieter
Eberwein / Peter Runge, Peter. Münster u.a. 2002, S. 189-225.
Sich kreuzende Blickwinkel auf innerstaatliche Gewalt und Krisenprävention.
Ein Workshopbericht. Hrsg. von Sven Chojnacki / Wolf-Dieter Eberwein, /Andreas
Mehler. Berlin 2003 (= WZB discussion papers P 2003-301).
Chojnacki, Sven : Schnelle Siege bei geringen Kosten? Demokratien und Kriege.
In: WZB-Mitteilungen 2003 Heft 100, S. 18-22.
Chojnacki, Sven/Aust, Björn 2003: Wandel der Kriegsformen im internationalen
System. Berlin 2003 (= WZB discussion papers P 2003-302)
Chojnacki, Sven 2003: Kriege im globalen Zeitalter: Theoretische und methodische
Anmerkungen. Berlin 2003 (= WZB discussion papers P 2003-303)
Chojnacki, Sven 2003: Demokratien und Krieg: Das Konfliktverhalten demokratischer
Staaten, 1946-2001. Berlin 2003 (= WZB discussion papers P 2003-304).
Chojnacki, Sven: Wandel der Kriegsformen? – Ein kritischer Literaturbericht.
In: Leviathan Zeitschrift für Sozialwissenschaft. 32. Jahrgang – 2004.
Heft 3. S. 402-424.
Chojnacki, Sven: Gewaltakteure und Gewaltmärkte: Wandel der Kriegsformen. In: Siegfried Frech und Peter I. Trummer (Hrsg.): Neue Kriege. Akteure, Gewaltmärkte, Ökonomie. Schwalbach/Ts.2005, S. 73-99.
Chojnacki, Sven: Gewaltakteure und Gewaltmärkte: Wandel der Kriegsformen. In: Siegfried Frech und Peter I. Trummer (Hrsg.): Neue Kriege. Akteure, Gewaltmärkte, Ökonomie. Schwalbach/Ts.2005, S. 73-99.
Chojnacki, Sven: Kriege im Wandel. Eine typologische und empirische Bestandsaufnahme. In: Anna Geis (Hrsg.): Den Krieg überdenken. Kriegsbegriffe und Kriegstheorien in der Kontroverse. Nomos Baden-Baden 2006, S. 47-74.
Chojnacki, Sven: Privatisierte Sicherheit. Substaatliche Kriege und Formen alternativer Gewaltproduktion. In: Internationale Politik 60(2005) 9, S. 34-42.
Chojnacki, Sven: Verführung des Neuen – oder: der Gesang der Sirenen. Eine kritische Bestandaufnahme der Debatte über den Wandel der Kriegsformen. In: Calließ, Jörg und Weller, Christoph (Hrsg.): Chancen für den Frieden. Rehburg-Loccum 2006, S. 43-94.
Sven Chojnacki (Hrsg.): Formwandel des Krieges? Ein (altes) Chamäleon auf dem Prüfstand, Münster i.E.
Chojnacki, Sven: Anything New or More of the Same? Wars and Military Interventions in the Contemporary International System, 1946 – 2003. In: Global Society 20 (2006) 1, S. 25-46.
Chojnacki, Sven: Democratic Wars and Military Interventions, 1946-2002. The Monadic Level Reconsidered. In: Lothar Brock, Anna Geis und Harald Müller (eds.): Democratic Wars. Looking at the Dark Side of the Democratic Peace. Houndsmills: Palgrave Macmillan 2006, S. 13-37.
Zusammenfassung
Ausgangspunkt des Projekts sind die sicherheits- und ordnungspolitischen Veränderungen im internationalen System, die wir seit dem Ende des Ost-West-Konflikts beobachten können. Diese beinhalten sowohl einen Wandel von Ordnungsvorstellungen als auch einen quantitativen und qualitativen Wandel der Gewaltformen. Die zentralen Elemente des übergreifenden Wandels der Gewalt sind deren Entstaatlichung und Privatisierung, ihr zunehmend transnationaler und regionaler Charakter sowie die Verfestigung von Bürgerkriegen durch Gewaltmärkte, die in eine zunehmend globalisierte Kriegswirtschaft führt. Bilden sich neue Formen der Gewalt heraus, dann stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der externen Konflikttransformation unter veränderten Rahmenbedingungen (Prävention, Intervention) völlig neu.
Das Ziel des Projekts besteht demzufolge in der Beantwortung der doppelten Fragestellung, durch welche neuen Gewaltformen das internationale System der Gegenwart sicherheits- wie ordnungspolitisch geprägt wird und welche Möglichkeiten und Grenzen der internationalen Steuerung durch Prävention und Intervention in schwachen oder gescheiterten Staaten bestehen. Theoretisch wie empirisch setzt das Projekt dabei an einer ganzen Reihe von Desiderata der Forschung an. Während mit der systematischen Herausarbeitung der strukturellen und akzidentiellen Entwicklungen von Gewaltformen in schwachen bzw. zerfallenden Staaten ein Beitrag zur konflikttheoretischen Fundierung sog. „neuer Kriege“ im globalisierten Zeitalter geleistet werden soll, die auch die offene Frage der Klassifikation bzw. Typenbildung im Teilgebiet der Friedens- und Konfliktforschung aufwirft, soll mit der Verknüpfung von Konfliktformen und externen Steuerungsanätzen zur Akzentuierung der Präventionsdimension beigetragen werden. Der Begriff der Prävention ist heute zwar in aller Munde, doch mangelt es nach wie vor an einer theoretisch-konzeptionellen Rückbindung mit ihrem eigentlichen Gegenstand, den gewaltsamen Konflikten, insbesondere ihrem Wandel, sowie mit dem Problem regional unterschiedlich angelegter Risiken für die internationale Politik. In der Diskussion wird immer nicht hinreichend berücksichtigt, dass Prävention erstens von der Fähigkeit und Bereitschaft abhängt, überhaupt zu intervenieren, dem Korrelat von Prävention. Dabei wird zweitens häufig übersehen, dass Prävention bzw. Intervention, konsequent zu Ende gedacht, die Anwendung von Gewalt als ultima ratio impliziert. Drittens wird immer wieder in der Diskussion der Umstand vernachlässigt, dass Prävention akteurszentriert sein muss und das heißt, Erfolg oder Misserfolg von Prävention unmittelbar auf die Art der Gewaltkonflikte bezogen sein muss. Viertens ist aus sicherheitspolitischer Sicht der regionale Kontext zu berücksichtigen, in dem gewaltsame Konflikte auftreten. Schließlich stellt sich das Problem, inwieweit Prävention und Intervention zu einem Wandel der internationalen Ordnungsstruktur beitragen, d.h. zur Normierung und damit Eingrenzung von Gewalt einerseits, Intervention andererseits. Das präventionstheoretische Erkenntnisinteresse zielt dann dabei weniger auf die allgemeine Diskussion von angemessenen Präventionsstrategien, sondern vielmehr auf die Evaluierung der Auswirkungen präventiven Handelns in gegenwärtigen, regional unterschiedlichen Konfliktformationen. Damit verknüpft ist die Frage, welche Lehren wir aus vergangenen Situationen ziehen können. Demzufolge besteht neben der Fundierung der neueren Entwicklungen in der Gewaltproblematik ein wesentliches Ziel des Projekts darin zu untersuchen, wie die Sicherheitspolitik (Prävention/Intervention) den Anforderungen neuer Kriege und regionaler Entwicklungen gerecht wird und welche ordnungspolitischen Konsequenzen (Durchsetzung und Erzwingung bestimmter Verhaltensnormen in Konfliktfällen) sich daraus ergeben.
Während methodisch die allgemeine Entwicklung der Gewalt im internationalen System und die Frage ihres Wandels (nach Typen und Regionen) aus einer makroanalytischen Perspektive heraus fundiert werden kann, wird die Aufarbeitung der fehlenden Kenntnisse über Struktur-, Akteurs- und Prozessdimensionen neuer Kriege sowie die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen präventiver Politik mikroanalytisch anhand von drei regionalen Konflikttypen bzw. fünf Konfliktfällen verortet (Bosnien-Herzegowina und Kosovo in Südosteuropa, Sierra Leone und Liberia in Westafrika, Afghanistan in Zentralasien). Zur Verwirklichung dieses Ziels wird kein klassisches Fallstudiendesign angelegt, sondern die Konflikte selbst, ihre Rahmenbedingungen sowie die Art und Weise internationaler Steuerung (Prävention/Intervention) werden auf die Folie eines Analyserasters gelegt, das dabei u.a. auf Erkenntnisse der Regionalwissenschaften zurückgreift, um schließlich systematisch analysiert zu werden. Die Entwicklung des Analyserasters ist nicht nur für die empirische Fundierung der Projektziele von großem Wert, sondern könnte im Sinne eines systematischen Forschungsdesigns auch eine Grundlage für zukünftige vergleichende Studien bieten, die nach wie vor viel zu häufig unverbunden nebeneinander entstehen und nur selten theoriegeleitet sind. Dies ist ein generelles strukturelles Defizit der internationalen Beziehungen im allgemeinen, der Friedens- und Konfliktforschung im besonderen, das es zu überwinden gilt.

