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Die Rolle externer wirtschaftlicher Akteure in Bürger-kriegsökonomien und ihre Bedeutung für Kriegsbedingungen in Afrika südlich der Sahara

Forschungseinrichtung: Internationales Konversionszentrum
Bonn (BICC)

Projektleitung: Dr. Michael Brzoska

Publikationen:

Paes, Wolf-Christian und Björn Aust: Bürgerkriegsökonomien. Staatszerfall und Privatisierung von Gewalt. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Bonn 2003. Heft 10. S. 1229 - 1232.

Tsuma William: Natural Resource Conflicts. "Black Gold" and the Changing Nature of Conflict in South Somalia. (Bicc Background Paper). Bonn 2003.

Brzoska, Michael: "New Wars" Discourse in Germany. In: Journal of Peace Research, Vol. 41, No. 1. pp 107-117.

Wenzel, Maraike: Liberia: Erfolgsstory eines Kriegsherrn. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 10/2003. S. 1242-1244.

Lewis, Scott: Rejuvenating or Restraining Civil War: The Role of External Actors in the War Economies of Sudan. Bonn. 2004. (BICC Paper No. 37).

Böge, Volker: Muschelgeld und Blutdiamanten – Traditionelle Konfliktbearbeitung in zeitgenössischen Gewaltkonflikten. Hamburg 2004. (Schriften des Deutschen Übersee- Instituts Hamburg).

Grosse-Kettler, Sabrina: External Actors in Stateless Somalia: A War Economy and ist Promoters. BICC Paper 39. Bonn 2004.

Wolf-Christian Paes: Friedensstifter oder Kriegsgewinnler – Zur Rolle der Privatwirtschaft in bewaffneten Konflikten. In: Friedensgutachten 2004. Hrsg. von Corinna Hauswedell u.a. Münster 2004. S. 218-226.

Wolf-Christian Paes: Oil and National Security in Sub-Saharan Africa. In: Oil Policy in the Gulf of Guinea – Security & Growth, Social Development. Hrsg. von Rudolf Traub-Merz und Douglas Yates. Bonn 2004. S. 87-100.

Wolf-Christian Paes: Internationale Initiativen zur Eindämmung von Ressourcenkonflikten. In: Die Friedens-Warte 80 (2005), 1-2, S. 61-81.

Wolf-Christian Paes: The Challenges of Disarmament, Demobilization and Reintegration in Liberia. In: Journal of International Peacekeeping 12 (2005), 2, S. 253-261.

Michael Brzoska: Gezielte Sanktionen als Mittel der Konflikteinhegung in Afrika – Erfahrungen und Aussichten. In: Sicherheit und Frieden 23 (2005), 4, S. 209-215.

Wolf-Christian Paes: Conflict Diamonds to Clean Diamonds. The Development of the Kimberley Process Certification Scheme. In: Resource Politics in Subsaharan Africa. Hrsg. von Andreas Mehler und Matthias Basedau. Hamburg Africa Studies No. 13. Hamburg 2005.

Wolf-Christian Paes: Statebuilding im Regenwald. Die Vereinten Nationen in Liberia. In: Friedensgutachten 2005. Hrsg. von Corinna Hauswedell u.a. Münster 2005. S. 97-105.

Willem Jaspers: Öldiebstahl, Rebellenbewegung und Korruption. Die Konfliktdynamik im Niger Delta als Herausforderung für Deeskalation. In: Friedensgutachten 2005. Hrsg. von Corinna Hauswedell u.a. Münster 2005. S. 106-114.

Volker Böge, Christopher Fitzpatrick, Willem Jaspers and Wolf-Christian Paes: Who`s Minding the Store? The Business of Private, Public and Civil Actors in Zones of Conflict. Bonn 2006. BICC brief 32 in Cooperation with Fatal Transactions.

Björn Aust und Willem Jaspers: From "Resource War" to "Violent Peace"? Transition in the Democratic Republic of the Congo (DRC). BICC Paper 50. Bonn 2006.

Wolf-Christian Paes: Regulating Resource Governance: The Role of Governments, Companies, and Civil Society Organizations. In: Dead Ends of Transition. Hrsg. von Michael Dauderstädt und Arne Schildberg. Bonn 2006. S. 137-148.

Paes, Wolf-Christian: From Failure to Success: The Impact of Sanctions on Angola`s Civil War. In: Putting Teeth in the tiger –Improving the Effectiveness of Arms Embargos. Hrsg. von Michael Brzoska und George A. Lopez. Bingley UK 2009, S.137-162.

Faltas, Sami und Wenzel, Maraike: Tightening the Screws in West African Arms Embargos. In: Putting Teeth in the tiger –Improving the Effectiveness of Arms Embargos. Hrsg. von Michael Brzoska und George A. Lopez. Bingley UK 2009, S.101-136.

Zusammenfassung

Aufbauend auf vorherige und zum Teil parallel durchgeführte Forschungs- und Beratungsprojekte zu den Themenkreisen internationaler Waffenhandel und Kriegsfinanzierung, sowie zur Wirksamkeit von Waffenembargos, dient das Projekt der Erforschung der Rolle von externen wirtschaftlichen Akteuren bei der Entstehung, Proliferation und Beendigung von überwiegend ökonomisch-motivierten bewaffneten Konflikten in Afrika südlich der Sahara.
Dabei umfasst die Definition eines externen wirtschaftlichen Akteurs Einzelpersonen, Gruppen von Individuen, Unternehmen und Institutionen, welche ihren Sitz außerhalb des Konfliktgebiets haben, deren Handlungen jedoch einen Beitrag zur Stärkung von Konfliktparteien durch wirtschaftliche Beziehungen leisten. Dieser Begriff umfasst etwa ausländische Unternehmen, welche Handelsbeziehungen zu Konfliktparteien unterhalten, aber auch ausländische Streitkräfte, deren Intervention durch Rohstoffkonzessionen oder andere wirtschaftliche Anreize motiviert wird, sowie Rüstungslieferanten.
In der sozialwissenschaftlichen Forschung, insbesondere im englischsprachigen Raum, nimmt die Analyse von Gewalt- und Bürgerkriegsökonomien breiten Raum ein. Dabei existieren in der Literatur zwei Hauptströmungen – beide möchten auf den ersten Blick irrationale Konflikte als für die Beteiligten wirtschaftlich-rational erklären, unterscheiden sich jedoch in der Herangehensweise. Während sich eine Forschungsgruppe der Weltbank unter der Leitung von Paul Collier bemüht, ökonomische Indikatoren auf globaler Basis zur Kriegsursachenforschung zu nutzen, beschäftigen sich eine Reihe von empirischen Studien mit der Analyse von spezifischen Konflikten. Gemeinsam ist beiden Strömungen eine Konzentration auf die inländischen Kriegsparteien.
Dieses Projekt verfolgt einen anderen Ansatz, in dem es den Schwerpunkt auf die Rolle und Funktion von externen wirtschaftlichen Akteuren in Bürgerkriegsökonomien legt. Dabei geht es einerseits darum, eine Lücke in der existierenden Literatur (insbesondere im deutschen Sprachraum) zu füllen, zweitens praktische Anregungen für eine verstärkte Kontrolle von Kriegsprofiteuren zu entwickeln und drittens die Effektivität von bestimmten Instrumenten für Kriegsbeendigungsstrategien zu testen. Es wird die These vertreten, dass externe (nicht-militärische) Lösungsstrategien für ökonomisch-motivierte Konflikte bei jenen Akteuren ansetzen sollten, die ihren Sitz außerhalb der Konfliktzonen haben und daher leichter greifbar sind.
Das Projekt konzentriert sich auf vier Akteurskategorien:
§ Unternehmen mit Sitz außerhalb der Konfliktregion, die als Abnehmer von in der Konfliktregion produzierten Gütern und als Handelspartner von Kriegsparteien auftreten.
§ Ausländische Interventionsstreitkräfte und Söldnerunternehmen, welche selbst ökonomische Interessen im Rahmen von Bürgerkriegsökonomien verfolgen.
§ Internationale Waffenhändler, welche die Kriegsparteien mit dem Nachschub an Waffen, Ausrüstung und Munition versorgen.
§ Internationale Finanzinstitutionen, welche die finanziellen Ressourcen von Konfliktparteien verwalten und Kredite für die Abwicklung internationalen Handels gewähren.

Im Rahmen des Projekts werden die folgenden Leitfragen untersucht:

1. Welche Rolle spielen externe wirtschaftliche Akteure innerhalb von Bürgerkriegsökonomien?
2. Welche strukturellen Faktoren begünstigen das Entstehen von Bürgerkriegsökonomien und ermöglichen die Beteiligung von externen wirtschaftlichen Akteuren?
3. Welche Möglichkeiten bieten sich zur Eindämmung von Bürgerkriegsökonomien durch externe Akteure?
4. Welche Ansätze gibt es für die internationale Staatengemeinschaft, inklusive der Bundesrepublik Deutschland, und die internationale Zivilgesellschaft das Handeln externer wirtschaftlicher Akteure zu beeinflussen?

Bei der Durchführung des Projekts wird eine weitgehende Vernetzung mit anderen deutschen und internationalen Konfliktforschungseinrichtungen angestrebt, sowie ein Informationsaustausch mit Trägern der Entwicklungszusammenarbeit und der auswärtigen Politik. Im Vorfeld des Projektstarts fanden daher verschiedene, durch Drittmittel finanzierte, Einzelmaßnahmen, zum Beispiel ein Feldforschungsaufenthalt in Angola im April 2003, statt. Mitarbeiter des Projekts publizierten verschiedene Aufsätze und Buchkapitel im Berichtszeitraum und nahmen in verschiedenen Medien zu den Konflikten in Liberia und im Kongo Stellung.