Zum Tod des ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Friedensforschung
Prof. Dr. Volker Rittberger (04.05.1941 – 14.11.2011)
Die Deutsche Stiftung Friedensforschung trauert um ihren ehemaligen Vorsitzenden Prof. Dr. Volker Rittberger, der am 14. November 2011 nach schwerer Krankheit und doch unerwartet verstarb. Professor Rittberger gehörte dem Stiftungsrat der DSF von Dezember 2001 bis Juli 2011 an und übte von September 2003 bis April 2010 das Amt des Stiftungsvorsitzenden aus.
Professor Rittberger war einer der Pioniere der Friedensforschung in Deutschland. Nach einer Promotion an der Stanford University und einer Tätigkeit bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung wurde er 1973 im Alter von 32 Jahren Professor an der Universität Tübingen. Seinen Lehrstuhl für Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung hatte er 36 Jahre lang bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 inne. Seine vielfältigen Erfahrungen mit den Schwierigkeiten, die Friedens- und Konfliktforschung in Forschung und Lehre zu verankern und ihre Finanzierung sicher zu stellen bestärkten ihn in der Überzeugung, dass nur eine dauerhafte institutionelle Lösung zu einer nachhaltigen Stärkung der Friedens- und Konfliktforschung führen wird. Als sich nach dem Regierungswechsel Ende der 1990er Jahre die Chance eröffnete, die Förderung der Friedensforschung mit Unterstützung des Bundes auf eine neue Grundlage zu stellen, sprach er sich nachdrücklich für ein Stiftungsmodell aus, um eine von den politischen Verhältnissen unabhängige und dauerhafte Finanzierung der einschlägigen Forschungsaktivitäten zu gewährleisten.
Nachdem die Stiftung im Oktober 2000 mit maßgeblicher Förderung durch die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, gegründet worden war, übernahm Prof. Dr. Dr. Dieter S. Lutz, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und Schüler von Professor Rittberger, den Vorsitz der Stiftung. Im Dezember 2001 wurde auch Professor Rittberger in den Stiftungsrat der DSF berufen. Nach dem frühen Tod von Dieter S. Lutz wählte der Stiftungsrat der DSF ihn im September 2003 zum neuen Vorsitzenden. 2008 wurde er für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Professor Rittberger nahm die Herausforderungen, die sich mit dem weiteren Aufbau der Stiftung verbanden, mit großem Engagement an. Mit seinen Initiativen und Ideen übte er einen prägenden Einfluss auf die Aktivitäten der Stiftung aus. Hierbei legt er großen Wert sowohl auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards als auch auf die Originalität der Forschungsfragen. Zudem gab er in seiner Amtszeit als Stiftungsvorsitzender wichtige Impulse zur Erschließung neuer Forschungsfelder für die Friedens- und Konfliktforschung, so zum Beispiel zur Rolle von Religionen in Gewaltkonflikten und Friedensprozessen sowie zur Frage der Auswirkungen des Klimawandels auf künftige Konfliktkonstellationen. Auch die internationale Vernetzung und Sichtbarkeit der Forschungsaktivitäten hatten für ihn grundlegende Bedeutung.
Des Weiteren war es ihm ein besonderes Anliegen, die strukturelle Verankerung der Friedens- und Konfliktforschung dauerhaft zu stärken. An der Universität Tübingen übernahm er die Federführung bei der Einrichtung des Masterstudiengangs Friedensforschung und Internationale Politik, der von der DSF mit einer Anschubfinanzierung gefördert wurde. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hatte für ihn stets einen hohen Stellenwert. Darüber hinaus setzte er sich nachdrücklich dafür ein, die naturwissenschaftliche Friedensforschung institutionell an deutschen Universitäten zu verankern.
Einen erheblichen Anteil seiner Arbeit für die Stiftung verwandte er dafür, die Erkenntnisse aus den von der Stiftung geförderten Forschungsvorhaben in die politische Praxis und Öffentlichkeit zu vermitteln. Er suchte über die Parteigrenzen hinweg den aktiven Dialog mit der Politik und trug so maßgeblich dazu bei, dass die Stiftung eine breite Anerkennung für ihre Aktivitäten erhielt.
Aufgrund seiner fortschreitenden Erkrankung sah sich Professor Rittberger im April 2010 gezwungen, sein Amt als Stiftungsvorsitzender schweren Herzens aufzugeben. Auch bei seiner Verabschiedung im Haus der EKD in Berlin wurde er nicht müde, die bleibenden Herausforderungen für die Stiftung und die Friedens- und Konfliktforschung hervorzuheben. Hierbei betonte er noch einmal seine wiederholt vorgebrachte Forderung, die finanzielle Ausstattung der Stiftung endlich auf eine tragfähige Grundlage zu stellen.
Im Juli 2011 stellte Professor Rittberger auch sein Mandat im Stiftungsrat zur Verfügung, weil ihm eine aktive Mitwirkung in dem Gremium krankheitsbedingt nicht mehr möglich erschien. Sein dennoch überraschender Tod hat die Mitglieder der Stiftungsorgane und der Geschäftsstelle tief erschüttert. Mit ihm verliert die Stiftung einen engagierten Mitstreiter, der sich große Verdienste um die Entwicklung und das Ansehen der Deutschen Stiftung Friedensforschung erworben hat. Die Stiftung wird sich in Dankbarkeit und in ehrenvoller Erinnerung seinen Zielen weiter verpflichtet fühlen.

